Nationalpark Kellerwald - eine kurze Beschreibung

Im Herzen der deutschen Mittelgebirge liegt südlich des Eder-Stausees der Nationalpark Kellerwald-Edersee. Auf 5724 ha findet sich hier eines der letzten großen, unzerschnittenen Laubwaldgebiete Mitteleuropas. Das Bild des Gebiets bestimmen ausgedehnte Buchenwälder, vor allem vom Typ der Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo-Fagetum). Daneben ist der Nationalpark auch reich an Bachtälern, Schluchtwäldern, Trockenwäldern und extremen Felsstandorten. Auf letzteren findet man überregional bedeutende Vorkommen der seltenen Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus).

Das Gebiet des Nationalparks Kellerwald besteht zum größten Teil aus dem bisherigen Waldschutzgebiet „Gatter Edersee“. Diese 4746,3 ha große Fläche hat eine lange Geschichte. Ursprünglich war es im östlichen Teil fürstlich waldeckisches Hofjagdgebiet. In den Jahren 1897-1904 wurde dieser Teil zum Schutz der Umgebung vor Wildschäden eingezäunt. Um 1935 wurde der Gatterzaun dann auf ca. 4746 ha erweitert. In den Jahren 1952 - 1987 war das Gatter „Wildschutzgebiet“. Seit 1990 war das „Gatter Edersee“ Waldschutzgebiet und zugleich ein kombiniertes Landschaftsschutzgebiet (LSG) / Naturschutzgebiet (NSG) und Bannwald. Auch im Bereich der Restfläche des Nationalparks finden sich weitere Naturschutzgebietsflächen.
Betrachtet man diese Geschichte, so wird deutlich, dass im Gatter immer die Jagd von größerem Interesse war als die Holzwirtschaft. Dies beeinflußte natürlich die Bewirtschaftung des Gebiets und führt dazu, dass wir heute hier nur einen geringen Anteil standortfremder Nadelhölzer und zugleich einen hohen Anteil alter Buchenbestände haben. Mit 37% Altholz unter den Laubholzbeständen liegt der Nationalpark Kellerwald bei ca. dem dreifachen Wert im Vergleich zum Altholzbestand imLandesdurchschnitt.
Neben dem Waldschutzgebiet „Gatter Edersee“ umfasst der Nationalpark Kellerwald noch weitere wertvolle Flächen, z.B. am Rabenstein oder am Ahrensberg.
Den besonderen Wert des Nationalparks Kellerwald machen seine besondere Naturnähe, die Größe und die Unzerschnittenheit aus. Kein anderes Gebiet in Deutschland ist besser geeignet als Nationalpark für die Hainsimsen-Buchenwälder und die dazugehörigen Lebensräume.
Zahlreich Wanderwege führen in das Gebiet. Selten begegnet man anderen Wanderern in der Ruhe und Abgeschiedenheit dieses großen Waldes. Dafür kann man hier Natur wirklich erleben. Neben den naturnahen Waldgesellschaften, die teilweise Urwaldcharakter haben, findet sich im Nationalpark fast die gesamte Vogelwelt der mitteleuropäischen Urwälder. Schwarzstorch und Uhu leben hier ebenso wie Grau-, Grün-, Bunt- und Schwarzspecht, Kolkraben, Trauerschnäpper oder Rotmilan. Dohlen, sonst bekannt als Kulturfolger an Kirchtürmen oder anderen Gebäuden, nisten hier in ihrem natürlichen Lebensraum in alten Buchen.
Noch weitgehend unerforscht ist die Kleinlebewelt des Gebiets: Käfer, Schmetterlinge oder Kleinsäuger. Wohlbekannt sind dagegen die großen Bewohner wie Schwarzwild, Rehwild und Rotwild. Berühmt ist das ehemalige Wildschutzgebiet für das lautstarke Schauspiel der Rotwildbrunft.
Seit dem 1. Januar 2004 ist das Gebiet nun Hessens erster Nationalpark. Fast die gesamte Fläche des Nationalparks Kellerwald ist im Besitz des Landes Hessen. Verantwortlich für die Unterhaltung des Gebiets ist die Nationalparkverwaltung. Die gesamte Fläche des Nationalparks Kellerwald (5724 ha) ist als Flora-Fauna-Habitat Gebiet (FFH) im EU Schutzgebietssystem Natura 2000 gemeldet. Der Nationalpark ist umgeben von der abwechslungsreichen Kulturlandschaft des Naturparks Kellerwald-Edersee.
Das wichtigste Ziel des Nationalparks ist es, Natur Natur sein zu lassen: Ohne menschliche Nutzung oder Steuerung soll sich die frei entwickeln und nach ihren eigenen, uralten Gesetzen wirken. Wir Menschen sind Gäste bei diesem Schauspiel der Natur. Durch Wege ist der Nationalpark erschlossen und will den Besuchern seine Schönheiten nahe bringen: Urige Buchewälder, stille Bachtäler, Trocken- und Schluchtwälder, Pfingstnelkenfluren und viele kleine Wunder am Wegesrand.